Rede zum Volkstrauertag Dietlingen 2025

Volkstrauertag Dietlingen 2025
Motto: 80 Jahre Kriegsende – Frieden bewahren, Verantwortung tragen
Ort: Ehrenmal Dietlingen – Sonntag, 16. November 2025, 11:00 Uhr


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,


ich begrüße Sie herzlich zu unserem heutigen Gedenken am Volkstrauertag.


In diesem Jahr steht unsere Feier unter dem Motto
„80 Jahre Kriegsende – Frieden bewahren, Verantwortung tragen.“
Acht Jahrzehnte – das ist ein Menschenleben.
Seit dem hat sich viel getan. Die Spuren des Krieges sind nur noch spärlich sichtbar. Sie leben
fort in den Bildern, die sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben, und sichtbar
in den stillen Mahnmalen, die überall im Land stehen. Wie auch 4x in Keltern. In Dietlingen,
in Ellmendingen, in Weiler und Niebelsbach. Versehen mit den Namen, die sich so vertraut
anhören, und die auch vielleicht der Nachbar trägt.


Vorlesen der Namen vom Mahnmal


Aus dem Grußwort des Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier möchte ich zitieren:
„Welch große Kraft das gemeinsam Erinnern an den Kriegsgräbern entfaltet, spüren wir…
Uns zu vergegenwärtigen, welche Erfahrungen und Lektionen uns seine Geschichte
vermittelt, ist kein Ballast sondern ein großer Gewinn – auch für uns Nachgeborene. Weil sich
die Völker Europas des Schrecken des Krieges bewusst waren, ist nach 1945 aus den
Trümmern ein neues, ein geeintes Europa erwachsen, mit Wohlstand, Frieden und Freiheit für
uns und unsere Nachbarn.


Die Erinnerung an das von Deutschen begangene Unrecht ist in vielen Teilen Europas nach
wie vor sehr präsent. Ich selbst erlebe das immer wieder bei Gedenkfeiern, wenn mir
Überlebende und Angehörige von NS Opfern von ihrem Schmerz erzählen und mir trotzdem
die Hand zur Versöhnung reichen. Das berührt mich zutiefst. Vergessen wir nie, es war
Deutschland, das damals einen verbrecherischen Angriffskrieg entfesselt und ganz Europa in
den Abgrund gestürzt hat.“


Gedenken wir den Millionen Menschen unterschiedlicher Nationen, die im Krieg ihr Leben
verloren haben – an den Fronten, in Lagern, auf der Flucht.


Lied: Sag mir wo die Blumen sind


Aber gedenken wir auch denen, die den Mut hatten, nach dem Krieg
wieder Vertrauen zu schenken, wieder aufzubauen, wieder an das Gute zu glauben.


„Wenn wir uns an die Kriege und Gewaltherrschaft früherer Tage erinnern, erkennen wir, wie
wichtig Demokratie und Verständigung für den Frieden sind. Demokratien führen keine
Kriege gegeneinander, Extremisten waren immer ein Unglück für Deutschland und die Welt.“


Heute spüren wir erneut, wie zerbrechlich Frieden sein kann.
Wir sehen Krieg in Europa, im Nahen Osten, in Afrika. Erleben Diktatoren, erleben
Unterdrückung, erleben, dass Abschreckung und Aufrüstung wieder Teil der öffentlichen
Sprache geworden sind.
Dass Millionen in Waffen und Kriegsgerät fließen und über eine Wehrpflicht diskutiert wird.


Und viele fragen sich:
„Ist das der richtige Weg?“


Natürlich wissen wir:
Frieden braucht Schutz.
Aber wenn das Vertrauen in den Frieden verloren geht, wenn statt Dialog Aufrüstung
überhandnimmt, wenn Abschreckung statt Gespräche das Mittel der Wahl ist,
dann verlieren wir mehr als Sicherheit – dann verlieren wir Menschlichkeit.


Was hat das für Folgen für die kommenden Generationen, wohin entwickeln wir uns…


Das nächste Lied spricht diese Sorge aus – Die Sorge von Müttern und Vätern…
„Meine Söhne geb’ ich nicht“ von Reinhard Mey.


„Nur wenn wir uns erinnern, aufrichtig und ehrlich, können wir künftige Generationen vor
den Schrecken von Krieg und Gewalt schützen.“


Wir alle hoffen, dass die Fehler der Vergangenheit sich nicht wiederholen.
Doch Geschichte wiederholt sich nicht von selbst – sie wird gemacht.


Von Menschen, die wegsehen.
Von Gesellschaften, die schweigen.
Von Demokratien, die glauben, sie seien unzerstörbar.


Frieden geht nicht plötzlich verloren.
Er zerbricht Stück für Stück –
mit jedem Satz, der Hass normalisiert,
mit jedem Menschen, dem wir Gleichgültigkeit entgegenbringen,
mit jeder Entscheidung, die Macht über Menschlichkeit stellt.


Noch haben wir es in der Hand.


Frieden ist kein Zustand, der uns geschenkt wurde –
er ist eine tägliche Aufgabe,
eine Haltung,
ein Versprechen an uns und an die, die nach uns kommen.


jeder Krieg beginnt mit einer Entscheidung.
Frieden aber auch.“


Wir hören das Gedicht :
Was Frieden wirklich bedeutet
Von der Dichterin Eva Strittmatter :


Frieden ist nicht,
wenn die Waffen schweigen.


Frieden ist,
wenn die Herzen aufhören,
laut zu schlagen vor Angst.


Frieden ist,
wenn Kinder lachen,
ohne zu wissen,
was Flucht bedeutet.


Frieden ist,
wenn Worte verbinden
und nicht verletzen.


Frieden ist,
wenn wir einander zuhören.


Frieden ist,
wenn wir Verantwortung tragen –
für das, was war,
und für das, was kommt.


Diese Worte führen uns zu dem, was wirklich zählt:
Frieden beginnt nicht in den Hauptstädten dieser Welt –
er beginnt vor Ort – wir tragen die Verantwortung zum Frieden, die Entscheidung zum
Frieden in uns. Frieden


In unseren Familien,
in unseren Schulen,
in unseren Vereinen,
in unser Gemeinde –


In Keltern hier in Dietlingen, aber auch an den Denkmalen in Ellmendingen in Weiler und in
Niebelsbach wollen wir heute eine neue Tradition starten. Wir wollen als gemeinsames
Symbol ein Friedenslicht entzünden.


Es steht für die Hoffnung,
dass Frieden leuchten kann –
auch in uns.


Dass Menschen den Frieden wollen, überall.
Während wir das Licht entzünden und weitergeben,
hören wir das „Friedenslied“ von Max Prosa und Dota Kehr –
ein Lied, das Mut macht.


Diese Zeilen erinnern uns daran,
dass jede Generation den Frieden neugestalten muss – sich neu Entscheiden muss
mit Taten, mit Worten, mit Menschlichkeit.


Frieden wächst,
wenn Menschen sich verstehen,
wenn sie Licht in das Dunkel bringen,
wenn sie einander zuhören.


Lassen Sie uns dieses Licht weitertragen –
in unseren Alltag,
in unsere Gespräche,
in unsere Gemeinschaft
in unser Keltern.


Abschluss & Ausblick


Zum Abschluss möchte ich Sie bitten,
die Arbeit der Deutschen Kriegsgräberfürsorge zu unterstützen.


Mit Ihrer Spende helfen Sie,
Orte des Erinnerns zu erhalten – Orte, die mahnen und verbinden aber auch Raum für
Begegnung und Gespräche zu schaffen um Brücken zu bauen zwischen Völkern und
Generationen.


Ich danke Ihnen für Ihr Kommen,
für Ihr Mitfühlen,
und für das gemeinsame Zeichen,
das wir hier heute setzen.


Ich bedanke mich auch bei Rolf Merz und Katharina Vetter für ihre Unterstützung.


Ich verabschiede sie mit einem ganz besonderen Lied, für mich das Friedenslied
das von einer Welt träumt,
in der Frieden nicht nur Hoffnung ist,
sondern Wirklichkeit …
Ich wünsche ihnen einen schönen Sonntag und einen guten Heimweg.


🎵 Abschlussmusik: „Imagine“ – John Lennon